§ 618 BGB – Ein unverzichtbares Fundament für die Arbeitssicherheit

Der § 618 BGB bildet eine wesentliche rechtliche Grundlage im deutschen Arbeitsrecht, die den Schutz der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz regelt. Für Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SIFAs) ist ein tiefes Verständnis dieses Paragraphen unerlässlich, um die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten effektiv zu gewährleisten. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Erläuterung des § 618 BGB, um SIFAs bei der Implementierung der gesetzlichen Anforderungen in der Praxis zu unterstützen.

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 618 Pflicht zu Schutzmaßnahmen

(1) Der Dienstberechtigte hat Räume, Vorrichtungen oder Gerätschaften, die er zur Verrichtung der Dienste zu beschaffen hat, so einzurichten und zu unterhalten und Dienstleistungen, die unter seiner Anordnung oder seiner Leitung vorzunehmen sind, so zu regeln, dass der Verpflichtete gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt ist, als die Natur der Dienstleistung es gestattet.

1) Schutzpflicht des Arbeitgebers

Absatz 1 des § 618 BGB legt fest, dass der Dienstberechtigte (Arbeitgeber) verpflichtet ist, Arbeitsräume, Vorrichtungen oder Gerätschaften, die zur Verrichtung der Dienste benötigt werden, sicher und gesundheitsförderlich einzurichten und zu unterhalten. Darüber hinaus müssen die unter der Anordnung oder Leitung des Dienstberechtigten stehenden Dienstleistungen so geregelt sein, dass der Verpflichtete (Arbeitnehmer) vor Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt ist, soweit es die Natur der Dienstleistung zulässt.

Was bedeutet das für die Praxis?

Für SIFAs bedeutet dies, dass sie in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber dafür Sorge tragen müssen, dass alle Aspekte der Arbeitsumgebung — von der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze bis hin zur Sicherheit der verwendeten Maschinen — den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer unterstützen. Die Beurteilung, welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind, hängt von der Art der Tätigkeit, den dabei verwendeten Materialien und Geräten sowie den Arbeitsbedingungen ab. SIFAs beraten hier beim erstellen der Gefährdungsbeurteilung und entsprechende Schutzmaßnahmen ableiten.

(2) Ist der Verpflichtete in die häusliche Gemeinschaft aufgenommen, so hat der Dienstberechtigte in Ansehung des Wohn- und Schlafraums, der Verpflegung sowie der Arbeits- und Erholungszeit diejenigen Einrichtungen und Anordnungen zu treffen, welche mit Rücksicht auf die Gesundheit, die Sittlichkeit und die Religion des Verpflichteten erforderlich sind.

2) Erweiterte Schutzmaßnahmen bei Aufnahme in die häusliche Gemeinschaft

Absatz 2 erweitert die Schutzpflicht des Arbeitgebers auf Arbeitnehmer, die in die häusliche Gemeinschaft des Arbeitgebers aufgenommen sind. In diesem Fall umfasst die Schutzpflicht auch die Bereitstellung geeigneter Wohn- und Schlafraumsituationen, angemessener Verpflegung sowie die Regelung der Arbeits- und Erholungszeiten, um die Gesundheit, Sittlichkeit und religiöse Bedürfnisse des Arbeitnehmers zu berücksichtigen.

Anwendungsbereich für SIFAs

Dieser Abschnitt ist besonders relevant für SIFAs, die in Branchen wie der häuslichen Pflege oder bei Arbeitgebermodellen arbeiten, wo Arbeitnehmer in die private Lebensführung integriert sind. SIFAs sollten sicherstellen, dass auch in diesen Fällen eine umfassende Risikoanalyse durchgeführt wird, die über den physischen Arbeitsplatz hinausgeht und auch die Lebensbedingungen berücksichtigt.

(3) Erfüllt der Dienstberechtigte die ihm in Ansehung des Lebens und der Gesundheit des Verpflichteten obliegenden Verpflichtungen nicht, so finden auf seine Verpflichtung zum Schadensersatz die für unerlaubte Handlungen geltenden Vorschriften der §§ 842 bis 846 entsprechende Anwendung.

3) Rechtsfolgen bei Nichterfüllung der Schutzpflicht

Absatz 3 verdeutlicht die rechtlichen Konsequenzen für Arbeitgeber, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Wenn der Arbeitgeber die ihm obliegenden Verpflichtungen zur Sicherung des Lebens und der Gesundheit des Arbeitnehmers nicht erfüllt, kommen die Regelungen für unerlaubte Handlungen (§§ 842 bis 846 BGB) zur Anwendung, was Schadensersatzforderungen nach sich ziehen kann.

Bedeutung für die Arbeit von SIFAs

Dieser Abschnitt unterstreicht die Wichtigkeit der präventiven Arbeit von SIFAs. Sie müssen nicht nur die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überwachen, sondern auch aktiv an der Vermeidung von Verstößen mitwirken, um potenzielle Schadensersatzansprüche zu verhindern. Die Dokumentation der getroffenen Maßnahmen und der Unterweisungen der Arbeitnehmer spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bildet das Rückgrat eines gesunden und sicheren Arbeitsumfeldes. Sie ist ein vielschichtiges Konzept, das weit über die Bereitstellung grundlegender Sicherheitsvorkehrungen hinausgeht. Dieser Artikel entfaltet die vielfältigen Dimensionen der Fürsorgepflicht, gestützt auf rechtliche Rahmenbedingungen und praktische Anwendungen, speziell ausgerichtet auf Fachkräfte für Arbeitssicherheit.

Fürsorgepflicht: Eine grundlegende Definition

Im Kern verpflichtet die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers diesen, Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der Gesundheit seiner Arbeitnehmer zu ergreifen. Dazu zählen der Schutz vor Unfällen, die Bereitstellung eines adäquaten Arbeitsplatzes sowie ein respektvoller Umgang. Obwohl der Begriff „Fürsorgepflicht“ nicht explizit in einem Gesetz verankert ist, fußt er auf dem Grundsatz von „Treu und Glauben“ im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und wird durch diverse gesetzliche Vorschriften konkretisiert, darunter insbesondere § 618 BGB.

Die gesetzliche Verankerung der Fürsorgepflicht

Der § 618 BGB verlangt von Arbeitgebern, Arbeitsräume, Vorrichtungen und Gerätschaften so zu gestalten und zu unterhalten, dass die Arbeitnehmer vor Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. Dieser Paragraph macht deutlich, dass die Fürsorgepflicht nicht durch Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung eingeschränkt oder aufgehoben werden kann.

Weiterführend wird die Fürsorgepflicht in zahlreichen Gesetzen, wie dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) und der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), präzisiert. Diese Gesetze bilden zusammen mit den Regelwerken der Berufsgenossenschaften das Fundament für SIFAs, um eine sichere und gesunde Arbeitsumgebung zu schaffen und zu erhalten.

Ausgleich zwischen Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Die Umsetzung der Fürsorgepflicht erfordert eine ausgewogene Abwägung zwischen den Interessen des Arbeitgebers und denen des Arbeitnehmers. Arbeitnehmer müssen zumutbare Risiken akzeptieren, die für die wirtschaftliche Tätigkeit des Unternehmens erforderlich sind. Gleichzeitig müssen Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen, um Risiken, soweit die Natur der Dienstleistung es zulässt, zu minimieren.

Bereiche der Fürsorgepflicht

Die Fürsorgepflicht umfasst zahlreiche Aspekte, darunter Arbeitsschutz, Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und den Schutz der persönlichen Sachen der Arbeitnehmer. Besonders hervorzuheben ist die psychische Gesundheit, die in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus gerückt ist. Arbeitgeber müssen für ein Arbeitsumfeld sorgen, das frei von Diskriminierung, Mobbing und sexueller Belästigung ist und die psychische Gesundheit der Mitarbeiter schützt.

Erhöhte Fürsorgepflicht in besonderen Fällen

Für bestimmte Gruppen, wie Schwangere, Minderjährige und Schwerbehinderte, besteht eine erhöhte Fürsorgepflicht. Hier sind SIFAs gefragt, spezifische Schutzmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, um diesen erhöhten Anforderungen gerecht zu werden.

Konsequenzen bei Verletzung der Fürsorgepflicht

Die Nichterfüllung der Fürsorgepflicht kann schwerwiegende Konsequenzen für Arbeitgeber haben, von rechtlichen Schritten bis hin zu Schadensersatzforderungen. Daher ist es essentiell, dass SIFAs die Einhaltung der Fürsorgepflicht kontinuierlich überwachen und bei Bedarf entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Fazit

Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist ein umfangreiches Konzept, das weit über die Vermeidung von Unfällen hinausgeht. Für SIFAs bietet sie eine wichtige rechtliche und ethische Grundlage für ihre Arbeit. Durch die Gewährleistung eines sicheren und gesunden Arbeitsumfeldes tragen sie nicht nur zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften bei, sondern fördern auch eine Kultur der Fürsorge im Unternehmen, die letztlich zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und -produktivität führt.

Donato Muro von Sicherheitsingenieur.nrw

Donato Muro

Der Inhaber von SicherheitsIngenieur.NRW ist ein aus dem Fernsehen bekannter Experte für Arbeitssicherheit. Er studierte an mehreren deutschen Hochschulen, ist Naturwissenschaftler, Ingenieur, Jurist, Arbeitspsychologe, Toxikologe und MBA.

Sicherheit an erster Stelle: Lehren aus dem tragischen Unfall in der Eisengießerei Torgelow

Die traurige Realität des tödlichen Unfalls in der Eisengießerei Torgelow vor anderthalb Jahren hat uns vor Augen geführt, wie entscheidend die Rolle der Arbeitssicherheit in der industriellen Fertigung ist. Dieses Ereignis bietet nicht nur Anlass zur Trauer, sondern auch zur Reflexion über die Bedeutung der Sicherheitskultur innerhalb von Unternehmen.

Donato Muro von Sicherheitsingenieur.nrw

Donato Muro

Der Inhaber von SicherheitsIngenieur.NRW ist ein aus dem Fernsehen bekannter Experte für Arbeitssicherheit. Er studierte an mehreren deutschen Hochschulen, ist Naturwissenschaftler, Ingenieur, Jurist, Arbeitspsychologe, Toxikologe und MBA.

Die Bedeutung der Führung im Sicherheitsmanagement

Im Zentrum dieser Diskussion steht die Rolle der Unternehmensleitung. Es ist unbestritten, dass die Führungsebene eine tragende Säule in der Schaffung und Aufrechterhaltung einer starken Sicherheitskultur ist. Ein effektives Sicherheitsmanagement beginnt an der Spitze. Die Unternehmensführung muss den Wert von Sicherheit nicht nur anerkennen, sondern auch aktiv fördern. Dies umfasst die Bereitstellung der notwendigen Ressourcen für Sicherheitsmaßnahmen und die Schaffung einer Umgebung, in der Sicherheitsbedenken offen angesprochen und ernst genommen werden.

Rechtliche Aspekte und die Verantwortung der Unternehmensleitung

Die rechtlichen Konsequenzen, die sich aus dem Unfall ergeben, sollten ein Weckruf für alle Unternehmen sein. Die laufenden Ermittlungen gegen einen der Geschäftsführer wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung unterstreichen, dass die Nichteinhaltung von Sicherheitsvorschriften weitreichende rechtliche Implikationen haben kann. Die Einhaltung von Sicherheitsstandards ist daher nicht nur eine Frage der moralischen Verantwortung, sondern auch des rechtlichen Selbstschutzes.

Die Rolle der Sicherheitsbeauftragten

In diesem Kontext spielt der Sicherheitsbeauftragte eine entscheidende Rolle. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Sicherheit als gemeinsame Verantwortung aller angesehen wird. Durch regelmäßige Schulungen, die Etablierung effektiver Kommunikationskanäle für Sicherheitsbedenken und die enge Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung können Sicherheitsbeauftragte einen wesentlichen Beitrag zur Verhütung von Arbeitsunfällen leisten.

Schlussfolgerung

Der Unfall in Torgelow

ist eine Mahnung, dass in der Industrie Sicherheit immer an erster Stelle stehen muss. Es zeigt auf, wie wichtig es ist, dass jedes Glied in der Kette – von der Geschäftsführung bis hin zum einzelnen Mitarbeiter – an einem Strang zieht, um eine Kultur der Sicherheit zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Als Sicherheitsbeauftragte stehen Sie an vorderster Front dieses Bemühens. Ihre Rolle ist es, nicht nur auf bestehende Risiken hinzuweisen, sondern auch aktiv an der Entwicklung und Implementierung von Strategien zur Verbesserung der Arbeitssicherheit mitzuwirken.

Das Engagement für Sicherheit ist eine fortlaufende Aufgabe, die ständige Aufmerksamkeit und Anpassung erfordert. Die Tragödie in Torgelow sollte als ein ständiger Erinnerer und Motivator dienen, um in jedem Unternehmen eine Kultur der Sicherheit zu schaffen und zu erhalten, in der das Wohl jedes Mitarbeiters an oberster Stelle steht.

Expertenmeinungen:

René Bußkamp, Safety Spot (https://safetyspot.de/):
Arbeitsunfälle können für Unternehmen und Mitarbeiter schwerwiegende Folgen haben. Dies zeigte leider auch der Unfall in der Eisengießerei Torgelow, mit zwei toten Arbeitern und einen schwerverletzten. Neben den unmittelbaren physischen und psychischen Auswirkungen für die betroffenen Mitarbeiter können Arbeitsunfälle auch hohe Kosten für das Unternehmen verursachen. Ein guter Arbeitsschutz kann dazu beitragen, Arbeitsunfälle zu vermeiden oder zumindest zu minimieren. Dabei geht es nicht nur um die Verwendung von Schutzausrüstung oder die Einhaltung von Sicherheitsstandards, sondern auch um die Gestaltung von Arbeitsabläufen und Arbeitsbedingungen, um potenzielle Gefahrenquellen zu eliminieren. Ein guter Arbeitsschutz hat aber nicht nur positive Auswirkungen auf die Sicherheit der Mitarbeiter, sondern auch auf die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter. Mitarbeiter, die sich sicher fühlen und wissen, dass ihr Arbeitgeber sich um ihre Sicherheit und Gesundheit kümmert, sind in der Regel motivierter und engagierter. Das kann sich positiv auf die Leistung des Unternehmens auswirken und zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit führen.

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