Krisen, Unsicherheiten und ständige Veränderungen der Arbeitsmarktbedingungen beeinträchtigen zweifellos die psychische Gesundheit der Mitarbeiter. Dennoch scheinen nicht alle gleichermaßen betroffen zu sein. Während einige unter Stress und Burnout leiden, zeigen andere eine höhere Widerstandsfähigkeit, die teilweise auf ihre Resilienz zurückzuführen ist. Immer mehr Unternehmen bieten daher Resilienztrainings für ihre Mitarbeiter an. Doch kann Resilienz tatsächlich trainiert werden? Und inwieweit ist die Förderung von Resilienz eine Verantwortung des Unternehmens?

Resilienz und ihre Bedeutung
Resilienz bezieht sich auf die Fähigkeit eines Menschen, schwierige Situationen durch Anpassungsfähigkeit, lösungsorientiertes Denken und Lernbereitschaft zu bewältigen. Resiliente Menschen erholen sich schnell, wenn sich der Druck verringert. Sie verfügen über ein gutes Verständnis für ihr persönliches Ressourcenmanagement und wissen, auf welche persönlichen und sozialen Ressourcen sie in schwierigen Zeiten zurückgreifen können. Resilienz ist somit ein erstrebenswerter Zustand. Doch ist Resilienz angeboren oder erlernbar?

Einflussfaktoren auf Resilienz
Die genetische Veranlagung spielt eine Rolle bei der Widerstandskraft, ebenso wie Persönlichkeitsmerkmale, kulturelle Prägung, Erziehung und frühere Erfahrungen. Diese Faktoren beeinflussen unser Verhalten, unsere Denkweise, unsere Wahrnehmung und unseren Umgang mit Krisen. Obwohl diese Prägungen oft tief verankert sind, können wir sie durch Lernen und Üben verändern – und das gilt auch für Resilienz.

Die Opferrolle überwinden
Ein entscheidender Faktor bei der Erlernbarkeit von Resilienz ist der Wechsel von der Opferrolle zur Gestalterrolle. Dabei kann das „Circle of Control“-Modell von Covey (2018) hilfreich sein. Das Modell besteht aus drei Kreisen:

  1. Im innersten Kreis liegen die Dinge, die wir selbst kontrollieren können, wie unser Verhalten, unsere Gedanken und unsere Reaktion auf Situationen.
  2. Im mittleren Kreis befinden sich die Dinge, die wir möglicherweise beeinflussen können, aber von anderen Menschen abhängen.
  3. Im äußersten Kreis liegen die Dinge, die uns interessieren, aber die wir weder kontrollieren noch beeinflussen können, wie das Verhalten anderer, das Wetter oder politische Entscheidungen.

Resiliente Menschen konzentrieren sich auf den innersten Kreis, während Menschen in der Opferrolle sich auf den äußersten Kreis fokussieren. Um Resilienz zu fördern, sollten wir uns auf die Dinge konzentrieren, die wir kontrollieren können, und Verantwortung für unser Leben übernehmen.

Verantwortung für Resilienz
Die Verantwortung für die Resilienz der Mitarbeiter liegt sowohl bei den Mitarbeitern selbst als auch beim Unternehmen. Die Mitarbeiter sind dafür verantwortlich, ihr Verhalten und ihre Denkweise zu ändern, um ihre eigene Resilienz zu stärken. Dies kann beispielsweise durch das Erlernen von lösungsorientierten Ansätzen und emotionalen Bewältigungsstrategien geschehen. Dabei ist es wichtig, Beziehungen zu pflegen, denn gute zwischenmenschliche Beziehungen sind eine der wichtigsten Ressourcen für Resilienz.

Unternehmen hingegen sind verantwortlich für die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen, in denen Mitarbeiter ihre Resilienz entwickeln können. Toxische Teams, mangelnde Wertschätzung, fehlende Autonomie und Misstrauen sind Faktoren, die die Resilienz der Mitarbeiter beeinträchtigen können. Unternehmen sollten daher auf eine wertschätzende Kommunikation, Achtsamkeit, Vertrauen und eine gute Work-Life-Balance achten, um ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung zu bieten.

Empowerment als Unternehmensstrategie Neben der Schaffung günstiger Rahmenbedingungen können Unternehmen auch ihre Mitarbeiter gezielt bei der Entwicklung ihrer Resilienz unterstützen. Eine Möglichkeit ist das Empowerment, bei dem Unternehmen ihre Mitarbeiter ermutigen, ihre eigenen Stärken und Resilienz zu entwickeln und ihnen Hilfestellungen bei der Aneignung von Selbstbestimmung, Bewältigungsstrategien und Autonomie bieten.

Zusammenfassend tragen sowohl die Mitarbeiter als auch das Unternehmen die Verantwortung für die Resilienz der Mitarbeiter. Indem sie ihre Mitarbeiter zu mehr Resilienz ermächtigen und günstige Rahmenbedingungen schaffen, können Unternehmen einen Beitrag zur Verbesserung der psychischen Gesundheit und Arbeitszufriedenheit ihrer Mitarbeiter leisten. Gleichzeitig sind die Mitarbeiter selbst gefordert, aktiv an ihrer eigenen Resilienz zu arbeiten und Verantwortung für ihr Wohlbefinden zu übernehmen.

Im Zusammenhang mit Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit ist die Förderung von Resilienz besonders relevant, da resiliente Mitarbeiter besser mit den Herausforderungen und Belastungen des Arbeitsalltags umgehen können. Dies kann dazu beitragen, Arbeitsunfälle und stressbedingte Erkrankungen zu reduzieren und die Sicherheit am Arbeitsplatz zu erhöhen.

Hier ist eine Liste der relevanten Fremdwörter aus dem Artikel und deren Erklärungen:

  1. Resilienz: Die Fähigkeit eines Individuums, sich an Krisen und schwierige Situationen anzupassen und daraus gestärkt hervorzugehen. Resiliente Menschen sind in der Lage, mit Stress, Veränderungen und Herausforderungen besser umzugehen.
  2. Empowerment: Ein Ansatz, bei dem Menschen oder Gruppen in die Lage versetzt werden, ihre Fähigkeiten, Selbstbestimmung und Ressourcen zu stärken und zu nutzen, um ihre Lebens- und Arbeitssituation zu verbessern.
  3. Circle of Control-Modell: Ein Modell, das die verschiedenen Bereiche der Kontrolle und des Einflusses eines Individuums aufzeigt. Es besteht aus drei Kreisen: dem inneren Kreis (Dinge, die man selbst kontrollieren kann), dem mittleren Kreis (Dinge, die man möglicherweise beeinflussen kann, aber oft von anderen Menschen abhängen) und dem äußeren Kreis (Dinge, die man weder kontrollieren noch beeinflussen kann).
  4. Selbstwirksamkeit: Die Überzeugung, dass man in der Lage ist, Herausforderungen zu bewältigen und seine Ziele zu erreichen. Ein hohes Maß an Selbstwirksamkeit trägt dazu bei, dass Menschen an ihre Fähigkeiten glauben und motiviert sind, ihre Ziele zu verfolgen.
  5. Lösungsorientierung: Ein Ansatz, bei dem der Fokus auf der Suche nach Lösungen für Probleme und Herausforderungen liegt, statt auf den Problemen selbst. Lösungsorientierte Menschen suchen aktiv nach Möglichkeiten, ihre Situation zu verbessern und ihre Ziele zu erreichen.
  6. Emotionaler Bezug: Die Art und Weise, wie ein Mensch seine Emotionen in Bezug auf eine bestimmte Situation erlebt und interpretiert. Emotionale Bewältigungsstrategien können helfen, den emotionalen Bezug zu einer Situation zu verändern und so den Umgang mit stressigen oder schwierigen Umständen zu verbessern.
  7. Autonomie: Die Fähigkeit und das Bedürfnis eines Menschen, unabhängig und selbstständig Entscheidungen zu treffen und sein Leben und seine Arbeit zu gestalten. Autonomie ist ein wichtiger Faktor für Arbeitszufriedenheit und die Entwicklung von Resilienz.
  8. Work-Life-Balance: Das Gleichgewicht zwischen den Anforderungen der beruflichen und privaten Lebensbereiche. Eine gute Work-Life-Balance trägt dazu bei, Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu fördern.
  9. Wertschätzende Kommunikation: Eine Form der Kommunikation, die auf Respekt, Anerkennung und Wertschätzung der anderen Person basiert. Wertschätzende Kommunikation trägt dazu bei, ein positives Arbeitsklima zu schaffen und die Resilienz der Mitarbeiter zu fördern.
  10. Achtsamkeit: Die Fähigkeit, im gegenwärtigen Moment präsent und aufmerksam zu sein, ohne zu urteilen. Achtsamkeit kann dabei helfen, Stress abzubauen und die Resilienz zu stärken.
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