Wer kennt sie nicht aus dem Fernsehen? Egal ob bei Tatort oder anderen Krimis, die Kriminaltechnik wird gerufen, wenn an einem potentiellen Tatort nach einer Brandursache geforscht werden soll.

Donato Muro fragt den Brandermittler und Lehrbeauftragten in NRW Kriminalhauptkommissar Marco Goczol „Wie ist das eigentlich:“

Bleiben nach einem Brand immer Spuren der Ursache erhalten?

Leider ist dies nicht immer der Fall. Bei einem sogenannten Vollbrand, einer Brandart, die durch ihre Intensität und Ausbreitung charakterisiert ist, kann es zu einer vollständigen Vernichtung der Struktur und der darin enthaltenen Gegenstände kommen. Dies kann die gesamte Szenerie so stark verändern, dass jegliche Beweise oder Anzeichen, die auf die ursprüngliche Brandursache hindeuten könnten, vollständig zerstört oder unerkennbar verändert werden. In solchen Fällen kann es für Brandsachverständige und Ermittler äußerst schwierig oder sogar unmöglich sein, eine definitive Brandursache zu ermitteln.

Können Sie erklären, wann ein Brandort als Tatort behandelt wird?

Selbstverständlich. Der Brandort wird als Tatort behandelt, da die Möglichkeit besteht, dass das Feuer absichtlich als Akt der Brandstiftung gelegt wurde, was eine strafbare Handlung darstellt. Gemäß §163 der Strafprozessordnung (StPO) sind die Behörden der Strafverfolgung, wie die Polizei, verpflichtet, von Amts wegen in allen strafrechtlichen Fällen zu ermitteln, in denen ihnen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine begangene Straftat bekannt geworden sind. Die Untersuchung eines Brandortes erfolgt also in der Absicht, Beweise für eine mögliche Straftat zu suchen und zu sichern, um gegebenenfalls den oder die Täter identifizieren und zur Rechenschaft ziehen zu können. Diese systematische Untersuchung und Beweissicherung am Tatort ist ein essentieller Teil der strafrechtlichen Ermittlungen und ist ausschlaggebend für das weitere Vorgehen der Justiz.

Abgesehen von Erfahrung, welche Fähigkeiten sind notwendig, um bei der Brandursachenermittlung erfolgreich zu sein?

Um bei der Brandursachenermittlung erfolgreich zu sein, sind natürlich Geduld und naturwissenschaftliches Verständnis unerlässlich. Aber es gibt noch andere wichtige Fähigkeiten. Kritisches Denkvermögen und eine detailorientierte Arbeitsweise sind nötig, um komplexe Muster zu entschlüsseln und wichtige Einzelheiten zu identifizieren. Darüber hinaus sind kommunikative Fähigkeiten für die Zusammenarbeit mit verschiedenen Interessengruppen und für die Präsentation der Ermittlungsergebnisse entscheidend. Die Ermittlungsarbeit kann physisch und emotional herausfordernd sein, daher ist auch eine gewisse Belastbarkeit erforderlich.

Was war Ihr schwierigster Fall in der Brandursachenermittlung?

Einer der schwierigsten Fälle, mit dem ich in meiner Laufbahn in der Brandursachenermittlung konfrontiert war, war ein Brand in einem Mehrfamilienhaus, bei dem es mehrere Opfer gab. Die Schwierigkeiten lagen nicht nur in der Komplexität der Untersuchung selbst, sondern auch in der emotionalen Belastung, die solche tragischen Umstände mit sich bringen. Der Brand war das Ergebnis einer vorsätzlichen Brandstiftung, was zusätzliche Ebenen der Untersuchung erforderte, einschließlich der Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden und der Suche nach Beweisen, die zur Ergreifung des oder der Täter führen könnten. Die Analyse der Brandursache und des Brandverlaufs, die Identifizierung und Sammlung von Beweisen sowie die sorgfältige Dokumentation des Tatorts waren alles komplexe Aufgaben. Gleichzeitig musste ich meine Emotionen im Griff behalten und professionell bleiben, um meine Aufgabe zu erfüllen und den Opfern und ihren Familien gerecht zu werden. Dieser Fall hat mir nicht nur die Bedeutung meiner Arbeit, sondern auch die enorme Verantwortung vor Augen geführt, die wir als Brandursachenermittler tragen. Es war zweifellos eine große Herausforderung, aber auch eine wichtige Erfahrung, die meine Fähigkeiten als Ermittler gestärkt hat.

Wie gehen Sie bei der Untersuchung eines Brandorts vor? Gibt es eine bestimmte Routine oder einen Prozess, den Sie befolgen?

Die Untersuchung eines Brandorts folgt einem strukturierten Prozess. Zuerst verschaffe ich mir einen Überblick über die Situation und analysiere den Gesamtschaden. Dann konzentriere ich mich auf die Identifizierung der Brandausbruchstelle, also dem Ort, wo das Feuer wahrscheinlich begonnen hat, indem ich den Bereich mit dem größten Schaden suche. Nachdem der Brandherd identifiziert ist, führe ich eine detaillierte Untersuchung durch, suche nach spezifischen Anzeichen für die Brandursache und sammle möglicherweise Proben für Laboranalysen. Parallel dazu dokumentiere ich den Untersuchungsprozess gründlich für spätere Analysen und mögliche rechtliche Schritte.

Kriminalhauptkommissar und Lehrbeauftragter bei der Polizei NRW

Marco Goczol

Kriminalhauptkommissar (KHK), Bereich Brandermittlung/Sprengstoffermittlung bei Polizei NRW

Erfahrung als Berufsfeuerwehrmann und Rettungsdiensttätigkeit

Lehrbeauftragter an der Hochschule für Polizei und Verwaltung NRW im Bereich Brandermittlung

Email: marco.goczol@hspv.nrw.de

Welche Herausforderungen gibt es bei der Arbeit an einem Brandort, auf den viele Menschen nicht vorbereitet waren?

Die Arbeit an einem Brandort birgt versteckte Gefahren wie strukturelle Instabilität oder giftige Materialien, die nicht sofort erkennbar sind. Zudem ist das Auffinden und Identifizieren von Opfern emotional sehr belastend und erfordert eine sensible Vorgehensweise. Zusätzlich ist die Durchsicht und Analyse von Brandresten oft mühsam und zeitaufwändig, benötigt aber höchste Genauigkeit. Daher ist eine sorgfältige Ausbildung für die Brandursachenermittlung unabdingbar.

Welche Veränderungen oder Verbesserungen würden Sie gerne in der Zukunft der Brandursachenermittlung sehen?

Eine wesentliche Verbesserung, die ich gerne in der Zukunft der Brandursachenermittlung sehen würde, betrifft das Gesundheitsbewusstsein und die Sicherheit am Tatort. Obwohl bereits erhebliche Fortschritte in Bezug auf die Sicherheit der Ermittler gemacht wurden, ist das Bewusstsein für die spezifischen gesundheitlichen Gefahren, denen Brandermittler ausgesetzt sind, immer noch verbesserungswürdig.

Dazu gehören nicht nur direkte physische Risiken wie das Einatmen von giftigen Dämpfen oder der Umgang mit unsicheren Strukturen, sondern auch die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen, die aus der Exposition gegenüber bestimmten gefährlichen Materialien resultieren können. Ebenso wichtig ist die psychische Gesundheit der Ermittler, die oft mit emotional belastenden Situationen konfrontiert sind.

Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Ressourcen und Aufmerksamkeit auf die Bereitstellung von geeigneter Schutzausrüstung, regelmäßigen Gesundheitschecks und psychologischer Unterstützung für Brandermittler gerichtet wird. Diese Investitionen würden nicht nur die Gesundheit und das Wohlbefinden der Ermittler schützen, sondern auch ihre Fähigkeit verbessern, ihre wichtige Arbeit effektiv auszuführen.

2-tägige Schulung Brandursachenermittlung

mit Marco Goczol bei Sicherheitsingenieur.NRW

Für Ingenieure aus den Bereichen Brandschutz und Sicherheitstechnik, betriebliche Brandschutzbeauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Mitglieder von Betriebs- und Freiwilligenfeuerwehren sowie Sachverständige und Juristen, die mit Branddelikten befasst sind.

24 UE bei der Fortbildung für Brandschutzbeauftragte nach DGUV 205-003

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