Risikohomöostase in Verbindung mit Arbeitsschutz

1      Einleitung

Der Betrieb eines Unternehmens und die Schaffung einer Arbeitsumgebung gehen mit unzähligen Verantwortungen einher – erst Recht, wenn Mitarbeiter beschäftigt werden. Die Sicherstellung ihrer Gesundheit und Unversehrtheit obliegt grundsätzlich dem Betreiber, ihn trifft hier eine gesetzliche und eine moralische Pflicht. Doch wie kann er dieser Verantwortung gerecht werden? Die ersten Überlegungen zu dem Thema führen naheliegenderweise zunächst einmal zu technischen und organisatorischen Optimierungen. Eine zeitgemäße und der Tätigkeit entsprechende technische Ausstattung und Ausrüstung bildet den Grundstein für die Abwehr von Gefahren und Minimierung von Risiken. Eine tiefergehende Analyse erlaubt es anschließend, auch weniger offensichtliche Gefahren zu erkennen und durch die Einführung von Schutzmaßnahmen zu verhindern. Jedoch muss in diesem Zusammenhang auch Teil der Überlegung sein, wer die Tätigkeiten ausführt: der Mensch. Als unbeherrschbarer Faktor, welcher durch zahlreiche innere und externe Aspekte in seiner Entscheidungsfindung beeinflusst wird, ist er Teil der Arbeits- und Organisationspsychologie, wodurch er zu einem wichtigen Element im Rahmen der Risikoanalyse wird.

Das menschliche Verhalten und die Motivationen zur Entscheidung für eine Handlungsoption müssen zur Sicherstellung eines zeitgemäßen und wirksamen Arbeitsschutzes berücksichtigt werden.

So tritt in der heutigen Analyse der Risiken im Arbeitsumfeld der „Human Factor“ als gefahrerhöhendes Element immer weiter in den Vordergrund. Mithilfe von arbeitspsychologischen Ansätzen wird versucht, die häufigsten Einflussfaktoren auf sicherheitskritisches Verhalten zu erkennen und zu modellieren. Einer dieser Ansätze ist das Risikohomöostase-Modell nach Wilde von 1982, welches ein Modell im Hinblick auf die Ursachen von Verkehrsunfällen darstellt und die größte Gefahr im Zusammenhang mit sicherheitskritischem Handeln den Einzelnen in seiner individuellen und nicht durch äußere Faktoren beeinflussbaren Risikoakzeptanz sieht.

Das Modell unter Berücksichtigung der Human Factors und der individuellen Risikowahrnehmung kann auch auf den innerbetrieblichen Arbeitsschutz übertragen werden. Denn auch hier kommen den Beweggründen für menschliches Verhalten eine hohe Relevanz zu. Das gilt insbesondere für den industriellen Sektor, der sich häufig durch die Nutzung gefährlicher Anlagen und Gefahrstoffe auszeichnet, so dass die Folgen verheerend sein können.

Die vorliegende Hausarbeit soll die Relevanz der Risikohomöostase im Rahmen des Arbeitsschutzes aufzeigen.

Zur Einführung in die Thematik soll zunächst der gesetzlich geregelte Arbeitsschutz in seinen Grundzügen unter Beschreibung der Schutzziele und der Risikoanalyse erläutert werden. Anschließend wird auf die Human Factors als Fehlerquelle eingegangen. Kapitel 4 thematisiert die Risikohomöostase und zeigt dabei Ursachen der Gefahrerhöhung und Maßnahmen zur Einschränkung dieser auf.

2      Risiken und Schutzziele im Arbeitsschutz

Für die Entwicklung und Umsetzung des Arbeitsschutzes stehen sich grundsätzlich zwei entgegengesetzte Elemente gegenüber: die durch die Arbeit oder das Arbeitsumfeld vorhandenen Risiken und die Schutzziele des Arbeitsschutzes. Unter Berücksichtigung der Schutzziele gilt es, durch geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen die Risiken zu minimieren oder die aus ihnen resultierenden Gefahren zu eliminieren.

2.1    Schutzziele

Die allgemeinen Schutzziele der Arbeitssicherheit finden sich zunächst zusammengefasst im Arbeitsschutzgesetz (ASchG). Hier heißt es in § 1 Abs. 1, dass die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern ist. Weiter legt § 3 des ASchG fest, dass es sich hierbei um eine Grundpflicht des Arbeitgebers handelt. Die Schutzziele bilden dabei die körperliche und psychische Unversehrtheit der Beteiligten.

Aufgabe der Arbeitssicherheit ist es folglich, Sicherheitssysteme zu etablieren, die die Mitarbeiter vor Gefahren, Unfällen, Krankheiten oder sonstigen Beeinträchtigungen schützen (Schaper, 2014).

Die Ursachen der den Schutzzielen gegenüberstehenden Risiken lassen sich in drei Kategorien einteilen (Schaper, 2014):

Die traditionelle Vorgehensweise zur Risikominimierung im Arbeitsschutz sieht vor, dass mithilfe eines PDCA- Zyklus (Plan-Do-Check-Act) Risiken und Gefahren im Arbeitsumfeld zunächst erkannt und analysiert werden, bevor mithilfe entsprechender Schutzmaßnahmen ihr Eintritt minimiert oder eliminiert wird (Einhaus et al., 2017). Dieser Ablauf ist in Form der „Gefährdungsbeurteilung“ auch gesetzlich in § 5 ASchG festgelegt. Dabei folgt die Implementierung der Schutzmaßnahmen einer Priorisierung, bei der zunächst technische, dann organisatorische und anschließend personenbezogene Maßnahmen zu treffen sind (Einhaus, et al., 2017).

2.2    Risiken und Risikoanalyse

Wesentlich für die Findung und Einführung der geeigneten Maßnahmen zur Verhinderung einer Beeinträchtigung der Schutzmaßnahmen ist die Risikoanalyse.

Der Begriff Risiko lässt sich definieren als „die Möglichkeit einer negativen Abweichung zwischen Plan und Wirklichkeit, die Gefahr des Misslingens einer geplanten Leistung“ (Schmitt, et al., 2010). Das Risiko beinhaltet demnach die Möglichkeit, dass sich aufgrund eines Störprozesses die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadensereignisses erhöht (Einhaus et al., 2017). Die Risikoanalyse hat die Aufgabe, den Hergang, die Ursachen und die Folgen eines Unfallereignisses zu finden und zu beschreiben (Schaper, 2014). Im Verlauf der Analyse werden vorhandene Risiken anschließend in drei Gruppen klassifiziert. Diese Einteilung gibt die Priorisierung der Einführung und Umsetzung spezifischer Schutzmaßnahmen vor:

Abbildung 1: Risikoklassifizierung, Einhaus et al., 2017, Seite 28

Die Risikoanalyse bildet das wesentliche Element zur Erfüllung des Anspruchs der Arbeitssicherheit. Erst die Erkenntnis über unfallverursachende Faktoren ermöglicht es diesen entgegenzusteuern. Während die Ermittlung technischer und organisatorischer Faktoren aufgrund ihrer objektiven Erkennbarkeit gelingen kann, zeigt sich jedoch die Ermittlung der personenbezogenen Unfallursachen als schwierig. Diese umfassen unter anderem auch das sicherheitskritische Verhalten des Einzelnen während der Ausübung seiner Tätigkeit (Schaper, 2014). Das bedeutet, dass die individuelle Handlung des Einzelnen in der Art auf das Arbeitsumfeld einwirkt, dass gefährliche Situationen entstehen und Unfälle verursacht werden. Durch seine eigene Risikowahrnehmung in Kombination mit seiner Risikoakzeptanz, welche seine Entscheidung zwischen unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten beeinflusst, können folglich bereits implementierte Sicherheitsmaßnahmen umgangen werden (Dorndings). Dabei können unterschiedliche Faktoren auf die Handlung einwirken, so z.B. Zeitdruck, Mangel an Aufmerksamkeit oder Ressourcen, Ermüdung und viele mehr.

Diese Beeinflussungen lassen sich vor allem den Human Factors zuordnen. Im nachfolgenden Abschnitt sollen diese erläutert werden, um eine Grundlage für die Erläuterung des Risikohomöostase- Modells zu schaffen.

3       Betrachtung der Human Factors als gefahrerhöhender Einfluss

Entscheidend für die Beurteilung des Risikos im Arbeitsschutz ist die Frage, welche Faktoren überhaupt einen gefahrerhöhenden Einfluss haben können. Eine dahingehende Analyse muss sämtliche Ereignisse und Bedingungen, die bereits zu einem Unfall geführt haben, berücksichtigen und bewerten. Unter Betrachtung der fortschreitenden Verbesserung des technischen und organisatorischen Arbeitsschutzes, z.B. durch fortlaufende Optimierung der Anlagen, Werkzeuge und anderer physischer Ressourcen, sowie der Verpflichtungen zu Schulungen und Unterweisungen durch unterschiedliche Qualitätsmanagementsysteme, zeigt sich dennoch, dass der Mensch nach wie vor den größten Verursacher von Unfällen darstellt. So sind ca. 80 % aller Unfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen (Schaper, 2014).

Damit ist eine Betrachtung des Human Factors im Rahmen der Risikoanalyse notwendig. Hierbei handelt es sich nach Badke-Schaub, Hofinger und Lauche um

„[…] alle psychischen, physischen, und sozialen Charakteristika des Menschen, insofern sie das das Handeln in und mit soziotechnischen Systemen beeinflussen oder beeinflusst werden“ (Seite 4).

Diese Definition zeigt, dass sich der Mensch und die Technik in einer stetigen Wechselwirkung zueinander befinden. Eine Analyse des Human Factors bedeutet demnach, sowohl die Einflüsse zu ermitteln, die auf den Menschen wirken, als auch diejenigen, die vom Menschen ausgehend seine Umwelt und damit gewisse Abläufe veranlassen. Bei letzterem steht folglich das Bewusstsein des Einzelnen im Vordergrund, welches sich vor allem in seinem Verantwortungsbewusstsein, der Arbeitsbelastung, Stress oder auch der Motivation zeigt (Hinsch et al., 2019).

Im Rahmen einer arbeitsschutzbezogenen Risikoanalyse ist die Berücksichtigung dieser Faktoren wesentlicher Bestandteil. So müssen Arbeitsschutzmaßnahmen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ausgerichtet sein, ihre Leistungsfähigkeiten und –grenzen kennen und die Verantwortlichkeiten entsprechend dessen verteilen. Weiterhin sind die Mitarbeiter und ihre sozialen Einflüsse in die Überlegungen und Strukturen miteinzubeziehen (Hinsch, 2010). Denn: selbst im Falle einer optimierten technischen und organisatorischen Maßnahmenstruktur zur Verhinderung von Unfällen obliegt die tatsächliche Ausführung der Tätigkeit einer Person – die jedoch innerhalb und außerhalb ihres Arbeitsumfeldes durch diverse andere Aspekte beeinflusst werden kann. Steht beispielsweise die Abnahme eines großen Auftrages an, bei dem Überstunden notwendig sind, um das Produkt rechtzeitig fertigzustellen, bedeutet dies für die Betroffenen Zeitdruck. Kommt ergänzend hinzu, dass einer der Beteiligten seine Kinder rechtzeitig von der Schule abholen muss, erhöht sich dieser Druck umso mehr – es entsteht eine Situation, in welcher Sicherheit nur noch sekundäres Ziel ist und es vielmehr darum geht, die Risiken dahingehend abzuwägen, inwiefern durch einen größeren Spielraum beide Ziele erfüllt werden können. Dieses Beispiel soll aufzeigen, dass es sich bei der Notwendigkeit der Betrachtung dieser Fehlerquellen nicht um abstrakte wissenschaftliche Gefahren handelt, sondern als einen Teil des Arbeitsschutzes, welcher eine reale Gefahr darstellen kann, nicht nur für den Handelnden, sondern auch für alle um ihn herum.

Der aus einem solchen Umstand resultierende Fehler wird als „Human Error“ bezeichnet (Hinsch. 2010). Im Zusammenhang mit der Luftfahrtforschung wurden diesbezüglich die 12 häufigsten Gründe, die einen Human Error begünstigen, als Dirty Dozen zusammengefasst (Hinsch, 2010):

  • Mangel an Kommunikation
  • Mangel an Teamwork
  • Mangel an Aufmerksamkeit
  • Stress
  • Mangel an Ressourcen
  • Ermüdung & Erschöpfung
  • Soziale Normen
  • Druck
  • Mangel an Können & Wissen
  • Fehlende Durchsetzungsfähigkeit
  • Selbstgefälligkeit
  • Ablenkung durch private Probleme oder suboptimale Arbeitsumgebung.

All diese Bedingungen können zu bewussten oder unbewussten Fehlern („Errors“) durch ausübende Personen führen (Hinsch et al., 2019). Auf die einzelnen Elemente und ihre Auswirkungen soll im Rahmen dieser Hausarbeit wegen des begrenzten Umfangs nicht eingegangen werden. Da es sich bei der Risikohomöostase jedoch um ein Phänomen handelt, welches die Risikoakzeptanz des Einzelnen auf der Grundlage einer individuellen Kosten-/Nutzen-Abwägung erhöhen kann, sollen im Folgenden kurz die Ursachen Mangel an Aufmerksamkeit, Stress, Druck und Ablenkung durch private Probleme erläutert werden, da sich diese insbesondere auf die Wahrnehmungsfähigkeit während der Tätigkeit ausüben und eine Nichtbeachtung des Risikopotentials zur Folge haben. So hält auch Nerdinger fest,

„dass die individuelle Wahrnehmung eines Reizes, dessen Verarbeitung und Bewertung, entscheidend für die darauf folgende Reaktion ist.“ (Schaper, 2014, Seite 323)

Die Faktoren Stress und Druck zeichnen sich dadurch aus, dass sie vor allem durch negative Reize aus dem Umfeld resultieren. Diese Belastungsfaktoren führen in der Regel zu einer Senkung der Aufmerksamkeit und einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit (Hinsch et al., 2019). Weiterhin wird durch Druck der Focus enorm auf das zu erreichende Ziel verlagert, so dass die Wahrnehmung der Umgebung nur noch notdürftig erfolgt. Die Folge kann ein „Tunnel- Blick“ sein, der verhindert, dass risikobegünstigende Sachverhalte überhaupt als solche erkannt und berücksichtigt werden (Hinsch, et al., 2019). Ähnlich verhält es sich mit einem Mangel an Aufmerksamkeit, welcher sich häufig in einem fehlenden Problembewusstsein äußert. Da der Handelnde dabei die Tätigkeit unüberlegt ausübt, ist er sich auch hier der Risikopotentiale nicht bewusst und es kommt zu unbewussten Fehlern (Schaper, 2014). Wie wichtig eine Fokussierung auf den eigenen Tätigkeitsbereich ist, zeigt auch die Ursache Ablenkung, bei der es sich um eine Störung der Fokussierung durch interne oder externe Faktoren handelt. Wird jemand während seiner Tätigkeit beispielsweise durch einen weiteren Mitarbeiter unterbrochen oder beschäftigen ihn private Gedanken, so erfolgt die Erledigung der Aufgabe in der Regel ohne das erforderliche Bewusstsein für mit ihr verbundene Gefahren (Hinsch, 2010).

So zeigt sich, dass eine Betrachtung der Human Factors im Rahmen der Risikoanalyse, insbesondere im industriellen Sektor, eine unbedingte Notwendigkeit darstellt. Das Risikobewusstsein des Einzelnen und seine individuelle Wahrnehmung tragen enorm zu einer sicheren Arbeitsumgebung, für sich selbst und für andere, bei.

Der nachfolgende Abschnitt soll nun die Risikohomöostase erläutern und zeigen, inwiefern die Risikowahrnehmung ursächlich für Human Errors im Rahmen von Arbeitsschutzmaßnahmen sein können.

4      Die Risikohomöostase als gefahrerhöhendes Element im Arbeitsumfeld

Die Risikohomöostase bezeichnet ein Phänomen, welches zu einem Ausgleich zwischen dem vorhandenen Risiko und der darauf basierenden Handlung führt. Die Entscheidung für eine Handlung wird demnach so getroffen, dass im Vorfeld das vorhandene Risiko mit den eigenen Kompetenzen abgewogen wird und es so zu einer balancierten Handlung kommt, die ohne negative Konsequenzen bleibt (Dornhöfer, 2000). Die Homöostase kann jedoch insofern problematisch ablaufen, als dass technische Sicherheitselemente die Risikobereitschaft des Einzelnen fördern können und es somit zu einer Verschiebung des Gleichgewichtes zwischen wahrgenommenem und tatsächlichem Risiko kommt, welche zwangsläufig zu einer Steigerung von Unfällen führt (https://www.hsu-hh.de/wenn-sicherheit-gefaehrlich-wird-risikohomoeostase).

Die Forschung der Risikohomöostase befasst sich vor allem mit Unfallursachen im Straßenverkehr (Dornhöfer, 2000). Wilde fasste dies in einem Modell zusammen, welches das Risikoverhalten von Individuen bei ihrer Teilnahme im Straßenverkehr erklären sollte. Dieses versucht, die Risikowahrnehmung und -einschätzung des beteiligten Individuums mit seiner eigenen Risikoakzeptanz zu verbinden und so die resultierende Unfallrate zu erklären (Lenk, 2015). Im Ergebnis kann, so Wilde, der Wegfall eines offensichtlichen Risikoelementes zu einer gefahrerhöhenden Handlung durch den Einzelnen führen, indem dieser ein weniger akutes Risiko unterschätzt. Für den Arbeitsschutz bedeutet dies, dass gewisse Sicherheitsmaßnahmen zwar Gefahren auf der einen Seite minimieren, jedoch aufgrund des dadurch entstehenden Sicherheitsgefühls in Verbindung mit fehlendem Bewusstsein für andere Gefahren sich ein zuvor minimiertes Risiko dennoch erfüllt.

In einer Studie von Rabe, Gericke und Trimpop aus dem Jahr 2006, welche die Ursachen von Wegeunfällen mithilfe einer Befragung analysiert, lag die Anzahl der Wegeunfälle bei ca. 15 % der gesamten meldepflichtigen Unfälle mit einem Anteil von 26 % der resultierenden Unfallrenten (Rabe et al., 2006). Heutige Statistiken zeichnen dasselbe Bild, so liegt die Quote der Wegeunfälle heute bei ca. 18 % mit einem Anteil von 25 % der resultierenden Renten (https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/au-wu-geschehen/index.jsp). Die Ursachen dieser trotz zahlreicher technischer Verbesserungen und sicherheitserhöhender Komponenten konstant bleibenden Zahlen können sich folglich nur im Risikoverhalten des Einzelnen zeigen. Die theoretischen und praktischen Grundlagen lassen sich auch auf den betriebsinternen Arbeitsschutz übertragen, denn auch hier obliegt die finale Entscheidung für eine Handlungsoption der ausführenden Person und ist somit durch sie beeinflusst. Folglich müssen auch hier die Risikowahrnehmung und das Risikobewusstsein näher betrachtet werden.

Diese werden auch durch die vorher genannten und erläuterten Human Factors gesteuert, da sich in genannter Studie ebenfalls die Faktoren Stress, Zeitdruck und Ablenkung als besonders risikosteigernd gezeigt haben (Rabe et al., 2006).

Nachfolgend sollen zunächst die relevanten Begriffe Risikohomöostase, Risikowahrnehmung und Risikobewusstsein erläutert werden, um anschließend die Ursachen und Folgen zu erläutern. 

4.1    Begriffserklärungen

Das Risikohomöostase- Modell nach Wilde verbindet subjektive und objektive Faktoren, die den Handelnden betreffen, miteinander und versucht damit eine Risikoerhöhung, z.B. eine gesteigerte Unfallrate zu erklären. Entscheidend für die resultierende Tätigkeit, sei neben den objektiv vorhandenen Fähigkeiten und der Wahrnehmung des tatsächlich vorhandenen Risikos durch den Einzelnen auch seine eigene, subjektive Abwägung des akzeptierten Risikos wesentlich (Dornhöfer et al., 2000). Das Modell fasst die Theorie wie folgt zusammen:

Abbildung 2: Risikohomöostase-Modell (Lenk, 2015, nach Wilde (1982)

Wilde unterscheidet grundsätzlich zwischen objektiven und subjektiven Risikoelementen, die die Tätigkeit bestimmen. Diese werden regelmäßig gegeneinander abgewogen, um sich für diejenige Handlungsalternative zu entscheiden, die den größten Nutzen für die handelnde Person hervorbringen. Dabei bildet das durch den Handelnden akzeptierte Risiko in Verbindung mit dem angestrebten Nutzen die Grundlage der Überlegung (Dornhöfer et al., 2000). Das bedeutet, dass der Handelnde das vorhandene Risiko nicht nur wahrnimmt, sondern auch in Kauf nimmt. Durch die Tätigkeit wird jedoch angestrebt, dass sich das wahrgenommene Risiko mit dem akzeptierten Risiko deckt (Dornhöfer et al., 2000).

Der Entscheidungsprozess nach dem Risikohomöostase- Modell setzt grundsätzlich voraus, dass die Entscheidung für die Tätigkeit durch die Risikowahrnehmung und das Risikobewusstsein geprägt ist.

Die Risikowahrnehmung kann auch als das Erkennen von Gefahren bezeichnet werden (Schaper, 2014). Sie bildet den ersten Einfluss auf die Handlungsentscheidung. Die Wahrnehmung von Gefahren unterliegt dabei einem kognitionspsychologischen Prozess, bei dem externe Signale durch den Handelnden gefiltert werden und sich daraus für ihn individuell Hinweise auf mögliche Gefahren ergeben (Schaper, 2014). Das zeigt, dass es sich bei der Risikowahrnehmung um einen rein individuellen Mechanismus handelt, der durch die subjektiven Erfahrungen, Charakteristika, Selbsteinschätzung, Umgebungseinflüsse und vor allem Motivationen des Beurteilenden beherrscht wird. So wird ein Rennfahrer das Risiko einer Serpentinenstraße das Risiko anders beurteilen als jemand, der gelegentlich Ausflüge mit dem PKW unternimmt. Das Risiko wird anschließend beurteilt und es findet eine Orientierung statt (Schaper, 2014). Hierbei handelt es sich um das Risikobewusstsein oder auch die Risikobewertung, welche ebenfalls hauptsächlich durch subjektive Parameter beeinflusst werden.

4.2     Ursachen der Gefahrerhöhung durch Risikohomöostase im Arbeitsumfeld

Die Forschung hinsichtlich der Risikohomöostase bezieht sich bislang hauptsächlich auf die Beurteilung von psychologischen Ursachen für Unfälle im Straßenverkehr. Es ist jedoch unter Berücksichtigung der wesentlichen Einflüsse auf die Handlungsentscheidung erkennbar, dass diese theoretischen Ansätze auf den Arbeitsschutz insgesamt angewendet werden können und auch sollten. Demnach sollen nachfolgend sollen die Ursachen und Folgen der Risikohomöostase im Bereich des Arbeitsschutzes erläutert werden.

Zur Erklärung des Modells und der Entscheidungsfindung ist davon auszugehen, dass der Mensch bei gewissen Tätigkeiten, in Wildes Modell bei der Teilnahme am Straßenverkehr, unvermeidbar gewissen Risiken ausgesetzt ist. Gleichzeitig versucht er permanent, einen Ausgleich zwischen dem von ihm akzeptierten und dem wahrgenommenen Risiko herzustellen. Dabei ist das subjektiv akzeptierte Risiko laut Dornhöfer und Pannasch (2000) durch 4 Kriterien beeinflusst, die sich nach der Relation zwischen Vor- und Nachteilen auf der einen Seite und Kosten/Nutzen auf der anderen Seite richten:

  1. Es wird durch das riskante Verhalten ein angestrebter Nutzen erwartet, beispielsweise schnelleres Fertigstellen der Tätigkeit
  2. Es werden auf der Grundlage riskanten Verhaltens zu vermeidende Kosten erwartet, beispielsweise das Herunterfallen von einem Gerüst
  3. Es wird ein angestrebter Vorteil bei sicherem Verhalten erwartet, beispielsweise ein Bonus
  4. Es werden Nachteile durch sicheres Verhalten erwartet, beispielsweise weniger Flexibilität beim Tragen eines Schutzanzuges.

Auf Grundlage dieser vier grundsätzlichen Überlegungen findet folglich fortwährend eine Abwägung zwischen den eigenen Einflüssen und dem tatsächlich wahrgenommenen Risiko statt. Da es sich hierbei um eine stark subjektiv geprägte Einschätzung handelt, kann diese im Arbeitsumfeld zu Fehlentscheidungen führen. Wie bereits erwähnt, spielen die genannten Ursachen der Human Factors eine große Rolle bei der Wahl der Handlungsalternative. So ist insbesondere das erste Kriterium stark von diesen Faktoren betroffen: steht jemand unter enormem Zeitdruck, ist er eher bereit, riskantes Verhalten einzugehen, da der angestrebte Nutzen der Zeitersparnis das Risiko ausblendet oder wenigstens in der eigenen Wahrnehmung relativiert. Ähnlich zeigt sich die Wirkung bei Tätigkeiten unter Stress. Nerdinger hält ergänzend fest, dass sicherheitswidriges Verhalten, d.h. Verhalten unter Inkaufnahme eines erweiterten Risikos, nicht zwangsläufig zu negativen Konsequenzen führt und damit positiv in den Erfahrungsschatz des Handelnden übergeht (Schaper, 2014). Im Ergebnis tritt somit der erwartete und erwünschte Nutzen ein, die negative Erfahrung bleibt jedoch aus. Insbesondere im Arbeitsschutz, der durch viele technische Maßnahmen zur Unfallverhütung geprägt ist, kann im Rahmen der Abwägung zwischen den Kosten und dem Nutzen der beabsichtigten Handlung hierdurch schnell das Gefühl entstehen, sicherheitsrelevante Aspekte haben einen ausbremsenden Charakter.

Durch die Inkaufnahme eines Risikos entsteht gleichzeitig eine Gefahrenerhöhung bei Ausübung der Tätigkeit, da sie zu einem spezifischen Fokus gerichtet auf solche Risiken führt, die für die Abwägung der individuellen Akzeptanztoleranz relevant sind, dabei jedoch andere Risiken außer Acht lässt und diese somit keinen Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung haben und damit auch nicht auf die ausgeübte Tätigkeit wirken.

Da die Risikohomöostase ein ausgleichendes Element darstellt, bei dem stets versucht wird, ein Gleichgewicht zwischen dem wahrgenommenen Risiko und der eigenen Handlung zu finden, kann auch eine erhöhte Sicherheit im Umfeld zu einer höheren Risikobereitschaft führen und damit unfallverursachend wirken. Dieser Effekt kann sich vor allem im innerbetrieblichen Arbeitsschutz zeigen. So hält auch Nerdinger fest, dass

„zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen in „Anpassungsreaktionen“ resultieren, die ein risikoreicheres Verhalten unter „sicheren“ Bedingungen erlauben“ (Schaper, 2014, S. 500).

Das heißt, dass bestimmte Elemente, die ein Risiko minimieren, ein Gefühl von Sicherheit entstehen lassen, dass den Handelnden dazu bewegt ein höheres Risiko zu akzeptieren. Als Beispiel seien hier Sicherheitsschuhe genannt. Das Tragen dieser impliziert, dass eine gewisse Gefahr abgewehrt werden kann. Diese Empfindung kann den Träger jedoch dazu verleiten, in eine durch Gefahrstoffe verseuchte Grube zu treten und ihn dabei anderen Gefahren aussetzen. Dies lässt sich auch anhand der Anzahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle der letzten 15 Jahre erkennen. Hier hat es kaum eine Veränderung gegeben – trotz fortschreitender Technisierung und Digitalisierung sowie weitreichender Implementierung von immer neuen Schutzmechanismen und Managementsysteme zur Gewährleistung der Sicherheit im industriellen Sektor aufgrund neuer Vorschriften oder neuer Erkenntnisse (DGUV- Statistiken für die Praxis 2020).

Eine weitere Ursache für die Akzeptanz eines höheren Risikos und damit die Begünstigung eines Fehlers, ist die sich selbst unterstellte Kontrollierbarkeit einer Situation. Empfindet der Handelnde, dass er die Situation und die damit einhergehenden Gefahren beherrschen kann, ist er ebenfalls eher gewillt, ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen (Dornhöfer et al., 2000).

Nachdem nun die Ursachen und Folgen für eine Gefahrenerhöhung durch die Risikohomöostase genannt wurden, soll im Folgenden darauf eingegangen werden, mithilfe welcher Maßnahmen die negativen Folgen eingeschränkt werden können.

5      Maßnahmenfindung zur Einschränkung der Gefahrerhöhung durch Risikohomöostase

Wie bereits erläutert, zeichnet sich die Risikohomöostase dadurch aus, dass der Mensch durch eine eigene Abwägung zwischen dem wahrgenommenen Risiko und seiner eigenen Risikoakzeptanz, welche individuell durch seine temporären Kosten und Nutzen geprägt ist, versucht, sich für eine Handlungsoption zu entscheiden, welche zu einem Gleichgewicht führt.

Maßnahmen zu Verhinderung einer Gefahrenerhöhung, die durch diese Abwägung verursacht wird, müssen demnach auch bei der individuellen Motivation ansetzen. Dabei ist auch der in diesem Zeitpunkt vorhandene, die Person beeinflussende Human Factor zu berücksichtigen.

Hierbei handelt es sich um eine sehr komplexe Aufgabe. Arbeitsschutzmaßnahmen sind in der Regel in der Art gestaltet, dass sie für eine Vielzahl von Situationen und Personen gelten und zugleich übertragbar sein sollen. Demnach muss für die Entwicklung von Maßnahmen ebenfalls ein allgemein gültiger Konsens gefunden werden. Auf der anderen Seite ist die psychologische Entscheidungsfindung stark durch Subjektivität geprägt. So kann der Faktor Stress sowohl unterschiedliche Ursachen haben, als auch unterschiedliche Wirkungen entfalten. Zum jetzigen Zeitpunkt kann folglich nur auf Studien zurückgegriffen werden, die die häufigsten psychologischen Ursachen für Unfälle im Arbeitsumfeld untersucht haben. Dabei fassen Dornhöfer et al. zusammen, dass sich zumindest personenbezogene Gemeinsamkeiten herleiten lassen, auf die im Rahmen der Arbeitsschutzmaßnahmen spezifisch eingegangen werden kann. So zeigen sich voneinander abweichende Tendenzen bei folgenden Personengruppen:

  • Unterschiedliches Alter: jüngere Fahrer tendierten zu einer höheren Risikobereitschaft, während ältere Fahrer erst dann gefahrerhöhende Entscheidungen treffen, wenn sie in schwierigen Situationen schnell handeln müssen
  • Kulturelle Unterschiede: unterschiedliche Verkehrspolitik in verschiedenen Ländern können zu einer differenzierten Wahrnehmung von Gefahr führen. Hieraus lässt sich schließen, dass die allgemeine Sozialisation eine wichtige Rolle einnimmt.
  • Unterschiedliches Geschlecht: eine Studie aus dem Jahr 1973 von Ebbeson und Haney kommt zu dem Ergebnis, dass Männer über eine höhere Risikoakzeptanz verfügen als Frauen.

Diese Zusammenfassung kann durch die Ergebnisse von Rabe et al. aus 2006 noch ergänzt werden durch:

  • Berufsanfänger: hier zeigt sich eine geringere Belastbarkeit und damit eine höhere Empfänglichkeit für Druck und Stress
  • Eltern: diese seien durch einen höheren Workload im privaten Bereich tendenziell eher unter Zeitdruck und abgelenkt.

Auch wenn die Ergebnisse alle aus Studien zur Verkehrssicherheit stammen, sollten sie als Ansatz für die konkrete Festlegung spezifischer Maßnahmen zur Risikominimierung sein, da die die Person umgebenden Elemente häufig deckungsgleich sind.

Die Einteilung zeigt, dass bei der Ermittlung von sachgerechten Schutzmaßnahmen eine komplexe Analyse stattfinden muss, die dem jeweils beabsichtigten Nutzen und den zu vermeidenden Kosten Rechnung trägt. So sollten Überlegungen hinsichtlich der Schutzmaßnahmen auch das soziale Umfeld, das Geschlecht, die Herkunft und die Motivationen der Gruppe berücksichtigen. Auch wenn es sich hier um eine komplexe Aufgabe handelt, können Gefahren durch die Risikohomöostase nur auf diese Weise verhindert werden.

Dabei müssen sowohl intrinsische Motive des Einzelnen als auch extrinsische bedacht und gesteuert werden. Die intrinsischen Motive wie die Absicht, schnell fertig zu werden, schnell nach Hause zu kommen, möglichst viel in kurzer Zeit zu schaffen, könnten durch eine extrinsische Motivation in positive Motive umgewandelt werden. Um dies zu gewährleisten, sollten spezifisch für die jeweilige Personengruppe Elemente gefunden werden, die die Motivation umkehrt. Hierzu stellen Rabe et al. fest, dass beispielsweise betrieblich-organisatorische Maßnahmen für Eltern geschaffen werden könnten, um den Zeitdruck zu minimieren. Zu denken wäre hier an eine innerbetriebliche Kinderbetreuung, flexiblere Arbeitszeiten oder generell einer Erweiterung der Möglichkeit des mobilen Arbeitens. Zugleich wird vorgeschlagen, die Höhe der Belastung für Berufsanfänger zu reduzieren, um sich besser einfinden zu können.

Generell sollten Schutzmaßnahmen darauf abzielen, mehr auf die Charakteristika des Einzelnen einzugehen und diese direkt zu adressieren. Eine negative Risikohomöostase kann nur verhindert werden, indem die Human Factors des Einzelnen in den Fokus treten. Deshalb kann die Implementierung von Arbeitsschutzmaßnahmen nur dann erfolgen und aussichtsreich wirken, wenn insgesamt eine Sicherheitskultur im Unternehmen etabliert wird, die jeden Mitarbeiter für vorhandene Risiken, auch bei sich und Kollegen, sensibilisiert. Diese basiert auf einem Normenkonsens aller Mitarbeiter und dient dazu die Sicherheit für alle zu erhöhen (Schaper, 2014). Demnach handelt es sich hierbei um eine gemeinschaftliche Aufgabe, die jeden adressiert, aber auch die Beteiligung von jedem fordert. Im Ergebnis sollte eine Kultur des Vertrauens geschaffen werden, die es erlaubt, auf die Bedürfnisse und Hemmnisse des Einzelnen einzugehen. Dazu können Transparenz und ein gerechtes Sanktionensystem beitragen (Schaper, 2014). Die Sicherheitsmaßnahmen müssen folglich für jeden erkennbar und zugängig sein.

Die Schaffung einer solchen Umgebung muss dabei der obersten Führung obliegen, da die Motivation insbesondere durch diese Vorbildfunktion gestärkt werden kann. Zudem sollte diese offen für den Bedarf der Mitarbeiter sein und ebenfalls empathisch auf die Erfordernisse für die einzelnen Personengruppen eingehen. Auch hinsichtlich eines Umgangs mit den Human Factors ist die Etablierung einer solchen Kultur unerlässlich. Einer Verbreitung und Verankerung von Human Errors kann nur entgegengetreten werden, wenn ein neues Risikobewusstsein entsteht. Dazu gehört auch, dass der Einzelne darin bestärkt wird, über eigene Schwierigkeiten zu sprechen und erkennbare Hemmnisse bei anderen anzusprechen. Dies kann nur gelingen, wenn Fehler nicht mehr als absolutes Scheitern betrachtet werden, sondern als wichtiger Beitrag zum Lernprozess und der Stärkung des Teams.

6      Fazit

Die Arbeit hat gezeigt, dass die subjektiven Faktoren, die zu einer Risikohomöostase beitragen, eine wesentliche Relevanz für die Wirkung von Sicherheitsmaßnahmen im Arbeitsumfeld haben. Die eine gefahrerhöhende Handlungsentscheidung begünstigenden Human Factors müssen im Rahmen der Risikoanalyse berücksichtigt werden.

Auch wenn die Forschung hinsichtlich der Risikohomöostase sich hauptsächlich auf begünstigende Risiken im Verkehr konzentriert, lassen sich dennoch die grundsätzlichen Erkenntnisse auf den innerbetrieblichen Arbeitsschutz übertragen und sollten hier auch Anwendung finden.

Dennoch steckt hier noch immenses Forschungspotential. Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass die Motivation des Einzelnen, sein soziales Umfeld, die ihn belastenden oder auch begeisternden Aspekte aus seinem privaten und beruflichen Bereich eine große Rolle bei der Gestaltung und Ausführung seiner Arbeit spielen. Dies gilt ebenso für das individuelle Risikobewusstsein und die Risikowahrnehmung, die ebenfalls durch diese Faktoren beeinflusst werden.

Die vorliegende Arbeit konnte aufgrund ihres begrenzten Umfangs die Zusammenhänge und die wichtigsten Aspekte nur anreißen. Dabei wurde beabsichtigt, den aktuellen Forschungsstand darzulegen und einen Impuls für weitere Ansätze zu Untersuchungen zu geben.

Eine Angstkultur kann grossen Schaden anrichten

Sicherheit statt Angstkultur – Unternehmen und Firmen denken um

Während es in der Schweiz verpflichtend ist, als Unternehmen einen Arbeitspsychologen zu haben, wird in Deutschland psychologische Sicherheit in Firmen noch selten thematisiert. Dabei ist es bereits seit den 1990er Jahren bekannt, dass die psychologische Sicherheit der Mitarbeiter den Unternehmen bessere und nachhaltigere Ergebnisse bescheren. Doch leider herrscht in vielen Unternehmen statt Sicherheit, Angst und Schweigen.

Wie zeigt sich Angstkultur in Unternehmen?

Die wohl schädlichste Auswirkung von ängstlichen Mitarbeitern und auch Führungskräften ist der handfeste Skandal. Mitarbeiter schweigen, oder werden nicht ernst genommen. Im schlimmsten Falle sogar zum Schweigen aufgefordert. Schlagworte wie Dieselgate oder Credit Suisse dürften das Ausmaß klarmachen. Auch die sexuellen Übergriffe, die bei Uber aufgedeckt wurden, zeigen die Tragweite fehlender psychologischer Sicherheit. Solche Fehlhandlungen und Inkorrektheiten sind die Folgen von Schweigen und Angst.

Was Studien und Forschungen dazu sagen

Es gibt einige Studien und Forschungsarbeiten, die untersucht haben, wie sich die Angstkultur in Unternehmen auswirkt, wie psychologische Sicherheit erreicht werden kann und sich letztendlich auf das gesamte Betriebsklima niederschlägt. Zum Beispiel die Forschungsarbeiten von Amy Edmondson, Professorin für Leadership and Management an der Harvard Business School. Sie war die Erste, die in den 1990er Jahren das Thema psychologische Sicherheit im Kontext von Management-Themen bekannt machte. Die Management-Vordenkerin sprach damals schon von einer Kultur des Schweigens in Unternehmen. Die Mitarbeiter sprächen Konflikte oder Negatives erst gar nicht an, leider auch Ideen oder neue Möglichkeiten der Lösung. Mit dieser Einstellung treten Teams und auch die dahinterstehenden Unternehmen auf der Stelle und können sich nicht weiterentwickeln. Ihre Studien ergaben: Fühlen sich die einzelnen Teammitglieder sicher, und haben den Mut, eigene Fehler einzugestehen oder wahrgenommene Fehler zu kommunizieren, ist der Lerneffekt für alle schnell wahrnehmbar.

Eine weitere Studie, die erwähnt werden soll, ist die «Aristoteles»-Studie. Diese wurde 2016 von Google initiiert und hat für großes Aufsehen gesorgt. Dabei wurden 180 Teams untersucht, mit dem Ziel herauszufinden, welche Faktoren ausschlaggebend für Erfolg, oder Misserfolg sind. Das erstaunliche Ergebnis zeigte auf, dass es nicht das nach fachlicher Kompetenz zusammengesetzte Personal war, welches erfolgversprechender war, sondern ganz andere Faktoren dazu beitrugen. Fühlen sich die Teammitglieder gesehen, respektiert und sicher, wuchs die Bereitschaft mehr Verantwortung für sich, die Aufgabe und das Team zu übernehmen. Das Fazit aus dieser Studie zeigt, müssen sich die einzelnen Mitglieder eines Teams nicht andauernd schützen und verteidigen, sondern können ihre Energie in anstehende Problemlösungen investieren, profitiert das gesamte Team und die gestellte Herausforderung. Offenheit und eine respektvolle Gesprächskultur machen Teams erfolgreich.

Wird dies den Teammitgliedern und auch den Führungskräften vermittelt, steigt das Bewusstsein für das Etablieren von psychologischer Sicherheit in Teams und Unternehmen deutlich an.

Welche Faktoren im Prozess auftauchen

Damit dieser Prozess angestoßen werden kann, sind einige Faktoren zu bedenken und ins Team zu integrieren.

* gleichberechtigte Redezeit
Dazu gehört zum Beispiel die gleichberechtigte Redezeit aller Mitglieder. Dies einzuhalten und gegebenenfalls den Vielredner zu bremsen ist Aufgabe des Arbeitspsychologen und später des Teamleiters innerhalb des Prozesses. Auch die Ermunterung der anderen Teammitglieder, die sich zurückhalten, sich zu äußern gehört dazu. Werden Online-Meetings abgehalten, sollte es obligatorisch sein, die Kamera anzuhaben, besonders dann, wenn sie sich zu Wort melden.

* Ermutigung und mehr miteinander Sprechen
Zur psychologischen Sicherheit gehört auch die Ermunterung von kritischen Mitarbeitern, ihre Meinung zu äußern und sich einzubringen. Sind Teammitglieder räumlich getrennt, ist es immer besser statt zu schreiben sich telefonisch oder via Kamera auszutauschen. Das gegenseitig bessere Kennenlernen, das Deuten der Mimik und das daraus entstehende bessere Verständnis für den Anderen helfen enorm dabei, gemeinsam komplexe Probleme zu lösen. Durch diesen konstruktiven Austausch kann es zu ganz neuen Impulsen kommen, die nicht nur dem Team, sondern auch dem gesamten Unternehmen zugutekommt.

Der Anteil der Führungskräfte

Damit den Mitarbeitern dies gelingen kann, sind die Führungskräfte gefragt. Die Verhaltensweisen der Führungskräfte sollten grundlegend als Vorbilder dienen.

* Verantwortung übernehmen
Den Vorgesetzten und Führungskräften muss ganz klar sein, dass sie als Person und ihr Verhalten verantwortlich sind, ob sich ihre Mitarbeiter sicher fühlen. Sie sind es, die beginnen, die neuen Parameter in den Teams, dem Betrieb und bei den Sitzungen zu etablieren. Hauptsächlich durch sie kann psychologische Sicherheit entstehen.

* Vorbild sein
Worte alleine werden zwar gehört, aber um echtes Umdenken zu erreichen, muss entsprechend agiert und reagiert werden. Fehler zugeben, Risiken auf sich nehmen bei Entscheidungen und Misserfolge als die Chance sehen, Dinge und Entscheidungen zu verbessern.

* kennenlernen der Mitarbeiter und Kollegen
Das Miteinander arbeiten und sich gegenseitig unterstützen fällt leichter, wenn man sich besser kennt. Daher sollten Chefs darauf hinwirken, dass sich die Mitarbeiter untereinander kennenlernen, auch in einem persönlicheren Kontext.

* konstruktives Feedback
Es ist essenziell, dass Chefs es lernen konstruktives Feedback abzugeben, selbstverständlich nur auf die Sache bezogen. Andererseits sollten sie ihre Mitarbeiter ermutigen, selbst ehrliche Kritik zu üben, auch wenn es um ihre eigenen Interessen geht.

* Wissen teilen
Es sollte zur Gesprächskultur in einem Unternehmen gehören, dass alle Team-Mitarbeiter immer auf demselben Wissen- und Informationsstand sind. Nur dann ist Transparenz möglich, und offene Fragen können in einer konstruktiven Diskussion zu Lösungen führen.

* Konflikten vorbeugen
Gruppendynamiken können in zwei Richtungen ausschlagen: hin zu Spannungen und hin zu Lösungen. Als Führungskraft ist es wichtig, diese Dynamiken zu erkennen und was er/sie selbst dazu beigetragen haben. Selbstreflexion als Werkzeug für Konfliktvorbeugung. Wichtig dabei ist, dass erkannte Anteile, die eventuell gesehen und artikuliert werden, nicht persönlich genommen werden. Vielmehr sollte das Feedback-Verhalten von allen Beteiligten eingefordert werden.

Verletzlichkeit und Befindlichkeiten

Um psychologische Sicherheit entstehen zu lassen, bedarf es nicht nur Wissenstransparenz, sondern auch ein Gespür für die Befindlichkeiten der Mitarbeiter. Besonders in Zeiten der Pandemie haben Unternehmen erkannt, dass Gespräche über die Befindlichkeiten der Angestellten mehr Raum benötigt. Auch die Führungskräfte selbst, die ihre Verletzlichkeit und den Gemütszustand ehrlich und offen zeigen, führen damit eine Veränderung im Zusammenarbeiten herbei.

Damit wird die Angstkultur aufgelöst, Schwäche darf gezeigt werden und Fehler sowie Irrtümer werden offen und ohne Angst kommuniziert. Zumindest beginnt, sich ein schwerer Stein allmählich zu bewegen.

Vor allem in der Schweiz haben einige große Unternehmen erkannt, dass sich psychologische Sicherheit nicht nur auf den Erfolg des Unternehmens positiv auswirkt, sondern auch auf das gesamte Betriebsklima. Durch den Einsatz von Arbeitspsychologen begeben sich einige Unternehmen auf den Weg.

Diese neue Kultur der Offenheit und Sicherheit sind ein Prozess, der seine Zeit in Anspruch nehmen wird. Auch hier sind wieder die Vorgesetzten und Führungskräfte gefragt. Mit der Brechstange kann kein Vertrauen eingefordert werden. Vielmehr ist der respektvolle Umgang miteinander und die Wertschätzung des Individuums im Laufe der Zeit durch Workshops, Seminare und anderen Möglichkeiten erreichbar. Hier bedarf es Durchhaltevermögen und ein Schritt für Schritt Annähern der einzelnen Teammitglieder aneinander.

Die Unternehmensführung hat die Aufgabe konsequent Wertschätzung und psychologische Sicherheit vorzuleben und damit den Raum zu öffnen für die Mitarbeiter es ihnen gleichzutun. Weg von der Angstkultur und weg vom Schweigen innerhalb von Teams und Unternehmen.

Es wäre wünschenswert, wenn psychologische Sicherheit ins Arbeitsrecht und für den Arbeitsschutz aufgenommen wird. So wie der Brandschutz in Gebäuden.

Wir stehen mit unseren Psychologen Firmen und Unternehmen zur Verfügung, psychologische Sicherheit zu etablieren. Durch Begleitung und Beratung, durch Workshops und Seminare werden Firmen für die Zukunft wieder fit gemacht und die Leistung optimiert. Nicht durch Druck, sondern durch eine Kultur der Offenheit und Wertschätzung.

Sonnenschutz schützt die Haut vor den Gefahren der UV-Strahlung.

Sonnenschutz schützt die Haut vor den Gefahren der UV-Strahlung Sonne tanken ohne Reue

In den ersten Frühlingstagen zieht es dich nach draußen in die Sonne. Du sitzt in einem Straßencafé oder machst einen Spaziergang: Hauptsache die Sonne genießen und die Lebensgeister wecken. Die Strahlung der Sonne hebt Laune und Lebenslust, verführt dich, in ihr zu baden. Und hier lauert die Gefahr: Wenn du dich zu lange der direkten Sonneneinstrahlung aussetzt, steigerst du dein Hautkrebsrisiko erheblich. Vor allem, wenn dies ungeschützt tust, da zu viel UV-Strahlung der Haut schadet.

Die Arten der Sonnenstrahlung

Die Ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) ist eine unsichtbare, von der Sonne erzeugte Strahlung, aufgeteilt in drei Arten:

• UV-A-Strahlung,
• UV-B-Strahlung,
• UV-C-Strahlung.

UV-A- und UV-B-Strahlung

Die längere Wellenlänge der UV-A-Strahlung versetzt diese in die Lage, in tiefere Hautschichten einzudringen. Zu viel UV-A-Strahlung verursacht Hautverbrennungen und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Des Weiteren führt sie zur vorzeitigen Hautalterung und Faltenbildung.

Bei UV-B-Strahlung handelt es sich um eine kurzwellige UV-Strahlung, die die äußere Hautschicht schädigt und Sonnenbrand verursacht.

UV-C-Strahlung

Anders als UV-A- und UV-B-Strahlung erreicht die UV-C-Strahlung die Erde nicht, weil die Ozonschicht sie blockiert. Das heißt, sie kann nicht in unsere Haut eindringen und stellt keine Gefahr für uns dar.

Der UV-Index

UV-A- und UV-B-Strahlen durchdringen die Wolken und sind in der Lage, deine Gesundheit schädigen. Aus diesem Grund bietet die Weltgesundheitsorganisation einen UV-Index. Dieser zeigt an jedem Tag die Höhe der UV-Werte und die Notwendigkeit eines Sonnenschutzes an.
Der UV-Index aufgeteilt in drei Stufen, von niedrig bis sehr hoch:

• niedrig (UV-Index ein bis zwei)
• mittel bis hoch (UV-Index drei bis sieben),
• sehr hoch (UV-Index acht bis elf),

Ein niedriger UV-Index von eins bis zwei erfordert keinen Sonnenschutz. Ein UV-Index von drei oder höher erfordert einen Sonnenschutz. Dies gilt ebenso, wenn die Sonne nicht scheint.

Bei einem Wert von drei bis sieben spricht die WHO von einem mittleren bis hohen UV-Index. Dieser erfordert Sonnenschutzmaßnahmen. Das heißt, du verwendest idealerweise schützende Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille sowie Sonnenschutzmittel.

Als sehr hoch oder extrem hoch gilt ein UV-Index von acht bis elf. Hier rät die WHO zu den über die oben stehenden Maßnahmen hinausgehende Schutzmaßnahmen. Das heißt, die Mittagsstunden nicht im Freien verbringen. Schatten aufsuchen, schützende Kleidung und Kopfbedeckung tragen. Ein Sonnenschutzmittel gilt hier als Pflicht, wenn du vorhast, deine Gesundheit nicht zu schädigen.

Wir haben auf unserer Homepage alle wesentlichen Daten für euch bereitgestellt: https://sicherheitsingenieur.nrw/wetterwarnungen-fuer-ihre-baustelle/

Arbeitsschutz heißt Sonnenschutz

Laut einer Studie verursachen UV-Strahlen 90 Prozent der gesamten Hautkrebserkrankungen. Menschen, die draußen arbeiten, haben ein erhöhtes Hautkrebsrisiko. Aus diesem Grund gilt heller Hautkrebs in Deutschland seit dem ersten Januar 2015 als anerkannte Berufskrankheit.

Zur Verwirklichung des Arbeitsschutzes gibt es vom Gesetzgeber Bestimmungen und Vorgaben. Diese verpflichten sowohl Arbeitgeber als Arbeitnehmer Maßnahmen zu ergreifen. Zum einen die Arbeitgeber, Hautschutzmittel zur Verfügung zu stellen. Zum anderen die Arbeitnehmer, diese anzuwenden.

Sonnenschutz auf dem Bau

Auf dem Bau beschäftigte Menschen verbringen den größten Teil des Tages im Freien. Während dieser Zeit wirkt die UV-Strahlung ständig auf sie ein. Aus diesem Grund ist es für diese Menschen wichtig, das Hautkrebsrisiko zu mildern. Dies gilt vor allem für Beschäftigte im Hoch-, Tief- und Straßenbau. Wenn Du zu diesen Personenkreisen zählst, triffst du im Idealfall Vorkehrungen. Zu diesen zählen:

• ausreichend und regelmäßig trinken,
• lange, luftdurchlässige Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille tragen,
• Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor von 50 oder höher verwenden,
• in den Pausen Schatten aufsuchen und Mittagshitze meiden.

Sonnenschutz richtig anwenden

Donato Muro, Ingenieur, Naturwissenschaftler, Jurist und Berater von Unternehmen zum Thema Arbeitssicherheit, sagt zu diesem Thema Folgendes: Zu wenig Sonnenschutz verringert die Schutzwirkung. Das gilt für alle Sonnenschutzfaktoren. Ein durchschnittlicher Erwachsener verwendet im Idealfall für den kompletten Körper min. zwei Esslöffel, gefüllt mit einem Sonnenschutzmittel oder mehr.

Im Idealfall verwendest du ein Sonnenschutzmittel mit einem Schutzfaktor von 50 oder höher. Dieses trägst du fünfzehn bis 20 Minuten vor der Sonneinwirkung großzügig auf die Haut auf. Alle zwei Stunden erneut auftragen. Bei Schwitzen oder Wasserkontakt in kürzeren Abständen auftragen, um die Schutzwirkung zu erhalten. Grundsätzlich gilt: Ein Sonnenschutzfaktor von 50 bietet einen hohen Schutz vor der UV-A- und UV-B-Strahlung der Sonne.

UV-Strahlung und Augen

Längere Sonneneinstrahlung erhöht das Risiko einer Augenkrankheit sowie einer Schädigung der Sehkraft. Je mehr UV-Strahlung das Auge empfängt, desto größer das Risiko. Aus diesem Grund rät Donato Muro allen, die sich eine lange Zeit bei Sonnenschein draußen aufhalten, eine Sonnenbrille zu tragen.

Erste Hilfe bei Sonnenbrand und Sonnenstich

Bei einem Sonnenbrand handelt es sich um eine oberflächliche Verbrennung der Haut. Vier bis zwölf Stunden nach dem Sonnenbad wird die Haut heiß, juckt und fängt an zu schmerzen.

Für von Sonnenbrand Betroffene heißt es jetzt, raus aus der Sonne und an einen kühlen Ort. Die betroffenen Stellen unter kaltes Wasser halten. Nicht mit Eis oder eiskalten Kühlpackungen behandeln. Diese schädigen die Haut zusätzlich. Neben kaltem Wasser verschaffen parfümfreie Wasserlotionen oder Gel Linderung. Ausreichend Trinken ist wichtig, um den Flüssigkeitsverlust der Haut auszugleichen.

Präparate mit Wirkstoffen wie Panthenol pflegen und kühlen die betroffenen Hautstellen und führen gleichzeitig zur Bildung neuer Hautzellen.

Ein Sonnenstich stellt eine Gefahr für den Organismus dar. Er tritt oftmals bei starker Sonneneinstrahlung über einen längeren Zeitraum auf. Hierbei erhitzt sich der Organismus und kann überschüssige Hitze nicht mehr abführen. Zu den Folgen eines Sonnenstiches zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen in den Muskeln. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer lebensbedrohlichen Situation. Als am anfälligsten für einen Sonnenstich gelten Kinder und ältere Menschen.

Wichtig bei einem Sonnenstich ist es, die Körpertemperatur des Betroffenen zu senken. Hierfür gibt es mehrer Möglichkeiten:

• Betroffenen an einen schattigen, kühlen Ort bringen,
• den Kopf erhöht lagern,
• Kopf und Nacken befeuchten (nasse, kühle Tücher verwenden),
• Betroffenen trinken lassen (unter der Voraussetzung, dass er bei Bewusstsein ist).

Wenn oben genannte Sofortmaßnahmen zur Besserung führen, bedarf es in der Regel nicht der Konsultation eines Arztes. Dies gilt laut Donato Muro nicht bei Kindern und älteren Menschen. Zeigt der Betroffene starke Beschwerden wie Nackensteifheit oder Krämpfe, gilt es, den Notarzt zu rufen.

Wenn die Körpertemperatur außer Kontrolle gerät, sofort den Notarzt rufen. Das heißt, die Temperatur steigt innerhalb weniger Minuten stark an und erreicht einen Wert von 41 Grad Celsius oder höher, sodass ein Hitzschlag das Leben des Betroffenen bedroht.

Für einen Laien ist es nicht leicht, zwischen einem Sonnenstich oder Hitzschlag zu unterscheiden. Aus diesem Grund rät Donato Muro eindringlich, im Zweifel sofort den Notarzt zu rufen.

Bildquelle: BG BAU

Kaffeekonsum reduziert Sterberisiko deutlich

Kaffeekonsum reduziert Sterberisiko deutlich – Studien bestätigen: Kaffee ist ein Lebenselixier!

Viele Menschen setzen den morgendlichen Kaffee als Wachmacher und Leistungsbooster ein. Dabei ist das Heißgetränk nicht nur ein Energielieferant, sondern auch ein Lebenselixier.

Mehrere Forschungsteams wiesen den positiven Einfluss von Kaffee auf die Lebenserwartung bereits unabhängig voneinander nach. Zwei bis drei Tassen täglich scheinen das Leben zu verlängern und können auch in Hinblick auf Herzerkrankungen gesundheitsfördernd sein.

Entgegen der Erwartungen – Zucker im Kaffee schadet nicht

Zwischen 2009 und 2018 haben chinesische Forscher der Southern Medical University eine bahnbrechende Studie erstellt. Diese befasst sich mit dem Einfluss von Kaffee auf die Lebenserwartung in Abhängigkeit zu der jeweiligen Zubereitungsart (pur, Zucker, alternative Süßungsmittel).

171.000 britische Probanden nahmen an der mehrjährigen Studie als Datenspender teil. Um als Studienteilnehmer infrage kommen, durfte keine Krebserkrankung vorliegen. Außerdem verfügten alle Probanden über ein gesundes Herz-Kreislauf-System. Die Forschungsarbeiten konnten belegen, dass die Sterberate der Kaffeetrinker im Vergleich zu den übrigen Studienteilnehmern um bis 21 (purer Kaffee) beziehungsweise 31 % (gezuckerter Kaffee) geringer war.

Hinweis: Die Verzehrmenge betrug zwischen einer und vier Tassen pro Tag. Außerdem setzten die Probanden, die sich für das gesüßte Heißgetränk entschieden, nur ganz geringe Mengen Zucker (ein Teelöffel pro Tasse) ein.

Wer seinen Kaffee mit künstlichen Süßstoffen trinkt, profitiert laut der Studie übrigens nicht davon. Die genauen Ursachen wurden nicht näher untersucht, allerdings scheinen die Gesundheitsrisiken der Süßungsmittel (krebserregende Stoffe, Substanzen mit Einfluss auf die Insulinproduktion) in einem engen Zusammenhang mit dem Studienresultat zu stehen.

Kaffeetrinker leben länger

Ein amerikanisches Forscherteam vom Nationalen Gesundheitsinstitut in Rockville wies den gesundheitsfördernden Effekt von Kaffee ebenfalls nach.

Zu diesem Zweck wertete es einen Datensatz von 500.000 Studienteilnehmern aus. Der Datenvergleich ergab, dass innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren im Gegensatz zu den Kaffeekonsumenten mehr Nichtkaffeetrinker verstorben waren.

Durch den Konsum von

  • einer Tasse Kaffee pro Tag, hatte sich das Sterberisiko um 8 %,
  • von vier bis fünf Tassen um 12 % und
  • von sechs bis sieben Tassen um 16 %

reduziert.

Selbst ein Kaffeekonsum von acht Tassen und mehr, löste bei den Probanden keine gesundheitlichen Nachteile aus.

Gemäß der komplexen Studie, blieb die Lebenserwartung unabhängig vom Koffeinmetabolismus (also der Geschwindigkeit, mit der der Körper das Koffein abbaut) gleich.

Allerdings arbeiteten die Wissenschaftler leichte Unterschiede zwischen Instant-, Filterkaffee und Espresso heraus. Bei Instantprodukten (wasserlösliches Kaffeepulver) waren die gesundheitlichen Vorteile gegenüber Filterkaffee und Espresso leicht abgeschwächt.

Der gemäßigte Kaffeekonsum löst keine Herzleiden aus

Die Annahme, dass Kaffee die Lebensdauer verlängert, wird durch ergänzende Studien des Alfred Hospitals und des Baker Heart Institutes in Australien gestützt.

Die Forscher griffen ebenfalls auf die britische Datenbank (UK BioBank) zurück. Im Unterschied zu den anderen Studien, werteten sie nicht nur die Daten gesunder Personen, sondern auch solcher mit Herzkrankheiten aus.

Nachdem sie die Gesundheitsinformationen von 380.000 Personen über einen zehnjährigen Untersuchungszeitraum miteinander verglichen, konnten die Forscher unter anderem die folgenden Schlüsse ziehen:

Bei gesunden Personen, die zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag konsumierten, sank die Wahrscheinlichkeit, eine Herzerkrankung zu entwickeln, um bis zu 15 Prozent.
Das Sterberisiko vorerkrankter Personen (Herzrhythmusstörung, Vorhofflimmern, weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen), die Kaffee tranken, war gegenüber den Nichtkaffeetrinkern um bis zu 20 % niedriger.
Zwei bis drei Tassen koffeinhaltigen Kaffees (gemahlen oder löslich), scheinen laut den Studienergebnissen besonders förderlich zu sein. Entkoffeinierter Kaffee entfaltet im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen keinen schützenden Effekt.

Kaffee als natürliche Generalprävention

Kaffee kann also vor Herzerkrankungen schützen und die prognostizierte Lebensdauer erhöhen. Doch in anderen Versuchsreihen wurde bereits nachgewiesen, dass der Kaffeekonsum noch weitere Vorteile für den Organismus haben kann.

So soll Kaffee dazu in der Lage sein,

  • das Multiple-Sklerose-Risiko zu reduzieren,
  • einen positiven Einfluss auf Lebererkrankungen zu haben,
  • Diabetes vorzubeugen,
  • das Risiko, an Krebs zu erkranken zu senken,
  • die Konzentrationsfähigkeit zu steigern,
  • gegen Parkinson vorzubeugen,
  • und das mentale Wohlbefinden (auch bei Vorliegen psychischer Krankheiten, wie Depressionen) zu erhöhen.

Die gesundheitsförderlichen Aspekte beruhen unter anderem auf den im Kaffee enthaltenen Polyphenolen (Entzündungshemmer und Stoffwechselbeschleuniger) und dem Koffein (Wachmacher).

Konsumentenhinweis und Studienkritik

Trotz der Studienergebnisse sind Zucker und Kaffee in großer Menge ungesund. Die Konsumenten können zwar von den lebensverlängernden Eigenschaften des Genussmittels profitieren, dazu muss die tägliche Verzehrmenge aber noch in dem empfohlenen Rahmen sein.

Die ersten Nebenwirkungen von Kaffee stellen sich zwischen der fünften und der zwölften Tasse ein. Bei einer starken Konzentration von Koffein treten unter anderem Angstzustände, Unruhe, Herzrasen oder Schweißausbrüche auf. Aber der 50. Tasse nimmt der Kaffee sogar ein lebensbedrohliches Ausmaß an. Dieser Wert wird jedoch nur in der rechnerischen Theorie erreicht.
Laut der Weltgesundheitsorganisation fällt die empfohlene Zuckermenge mit 25 g täglich wesentlich geringer aus. Wer seinen Kaffee gerne zuckert, aber trotzdem in den Genuss der gesundheitsfördernden Wirkung kommen will, sollte hier also besser sparsam sein.

Ein großer Kritikpunkt an den bisherigen Studien ist jedoch das Außerachtlassen weiterer Gesundheits- und Ernährungsfaktoren. Zu weiteren Zusätzen, wie Sahne oder Milch, schweigen sich die wissenschaftlichen Arbeiten derzeit ebenfalls noch aus. Es werden also weitere Studien folgen müssen, um die gesundheitlichen Vor- und Nachteile von Kaffee in ihrer Gesamtheit beurteilen zu können.

Ergänzende Quellen:

https://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/lebenserwartung-kaffee-konsum-mit-geringerem-herzrisiko-und-laengerem-leben-verbunden-20220326556787/
https://www.businessinsider.de/wissenschaft/menschen-die-taeglich-kaffee-trinken-haben-ein-geringeres-risiko-vorzeitig-zu-sterben/
https://www.apotheken.de/news/12381-kaffee-verlangert-leben#:~:text=Mit%20jeder%20Tasse%20steigt%20die%20Lebenserwartung&text=Bei%20einer%20Tasse%20Kaffee%20pro,Prozent%20niedriger%20verglichen%20mit%20Nichtkaffeetrinkern.

Immer mehr Menschen in Deutschland rauchen

Die Zahl der Raucher steigt immer mehr
In Deutschland rauchen deutlich mehr Menschen als in anderen Ländern. Das war bereits vor der Corona-Pandemie zu. Während der Pandemie haben aber noch mehr Menschen mit dem Rauchen angefangen. In Deutschland rauchen im Jahr 2021 fast 31 Prozent der Menschen ab 14 Jahren. Das geht aus einer Langzeitstudie hervor, die den Titel „Deutsche Befragung zum Rauchverhalten“ (DEBRA) trägt. Sie wurde im Mai veröffentlicht und gibt Aufschluss über das Rauchverhalten der Deutschen. Die Studie berücksichtigt aber nur Produkt, die in Deutschland versteuert wurde. Der tatsächliche Konsum könnte noch höher liegen.

Kurz vor Beginn der Pandemie, im Dezember 2019, lag der Anteil der deutschen Raucher und Raucherinnen in der Bevölkerung bei rund 27 Prozent. Inzwischen ist die Zahl auf 31 Prozent gestiegen. Spekulativ ist die Frage, ob mehr Menschen rückfällig geworden sind und wieder mit dem Rauchen angefangen haben, oder ob der Corona-Stress dazu geführt hat, dass die Menschen zum ersten Mal zur Zigarette gegriffen haben.


Mit rund 31 Prozent rauchen gut ein Drittel der Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland, hat die Studie der Universität Düsseldorf ergeben. Bereits seit 2016 werden alle zwei Monate rund 2000 Personen ab 14 Jahren zu ihrem Konsum von Nikotinprodukten und Tabak befragt. In die Studie eingerechnet sind auch E-Zigaretten und Sisha-Pfeifen, die vor allem von jüngeren Menschen konsumiert werden. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Raucher um vier Prozent gestiegen ist bis Ende 2021. Bis Mai 2022 hätten weitere zwei Prozent mit dem Rauchen angefangen. Rund 33 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren greifen laut Studie im Mai 2022 regelmäßig zum Glimmstängel beziehungsweise zu einer E-Zigarette oder zu einer Pfeife. Der Epidemiologe Univ.-Prof. Dr. Daniel Kotz, PhD MSc MPH geht davon aus, dass die Zunahme der Raucher eine Auswirkung der Corona-Pandemie sei. Corona habe viel Stress verursacht. Durch den Stress seien viele Menschen nervös gewesen, was sie mit dem Griff zum Nikotin kompensiert hätten. Auch Frust und Einsamkeit haben laut den Experten dazu geführt, dass die Menschen wieder mit dem Rauchen angefangen haben. Auch das Home-Office habe zum Rauchen verleitet, denn während im Büro Vorgesetzte und Kollegen das Rauchverhalten sehen können, müsse man sich zu Hause nicht rechtfertigen und entschuldigen. Anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai hatte Daniel Kotz sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zu der Studie geäußert. Die Entwicklung sei erschreckend, so Kotz. 2013 lag die Zahl der Raucher in Deutschland noch bei 23 Prozent. In Deutschland wurden 2021 rund 72 Milliarden Fertigzigaretten geraucht. Hinzu kommen etliche weitere Tabakprodukte wie zum Beispiel Pfeifentabak. Wie Daniel Kotz mitteilte, hat sich die E-Zigarette in Deutschland nicht durchgesetzt. Nur ein Prozent aller Raucher gaben an, E-Zigaretten zu bevorzugen. Einen Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Krieg in der Ukraine sehen die Forscher bislang noch nicht. Das immer mehr Menschen rauchen würden, sei eine Corona-Spätfolge.

Der deutsche Staat erzielte über die Tabaksteuer im Jahr 2021 Einnahmen von rund 14,7 Milliarden Euro. Dieser Betrag blieb im Vergleich zum Vorjahr konstant.
Die steigenden Raucherzahlen machen sich auch beim Blick auf die gesundheitlichen Folgen bemerkbar. Laut dem Statistischen Bundesamt sind im Jahr 2020 rund 75500 Menschen an den Folgen des Rauchens in Deutschland verstorben, darunter mehr Frauen als Männer. Vor allem Lungen- und Bronchialkrebs wurden als Folgen des Rauchens genannt. Aber auch andere Krebsarten sind auf den Konsum von Tabakprodukten zurückzuführen, so die Studie. Das Rauchen schädigt den Venen, dem Herz und der Lunge. Bluthochdruck, Arterienverkalkung, Herzinfarkt und chronische Bronchitis können Folgen von starkem Tabakkonsum sein.

Auch für die Umwelt hat das Rauchen gravierende Auswirkungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte kürzlich einen Bericht, wonach für die Herstellung und den Konsum von Tabak jährlich 600 Millionen Bäume geholzt werden müssen. Für die Herstellung von Tabakwaren werden 22 Milliarden Tonnen Wasser und 200 000 Hektar Land benötigt. Um eine Tonne Tabak pro Hektar zu produzieren, werden deutliche Mengen Stickstoff, Kalium und Phosphor benötigt. Außerdem ist die Tabakpflanze sehr durstig und benötigt viel Wasser. Der gesamte Kohlenstoffdioxid entspricht einem Ausstoß von rund 17 Millionen Autos, die mit Benzin betrieben werden. Ein weiteres gravierendes Problem ist der viele Müll. Rund 4,5 Billionen Zigarettenfilter landen auf Böden, Bürgersteinen und in Meeren und Flüssen. Ein Zigarettenstummel kann bis zu 15 Jahren brauchen, bis er in der Umwelt verrottet ist. Eine Zigarette enthält in Summe rund 7000 Schadstoffe enthalten, darunter auch 50 krebserregende Stoffe. Diese Stoffe schaden nicht nur der Gesundheit des Menschen, sondern auch der Umwelt. Ein einziger Filter kann 1000 Liter Wasser vergiften. Abgesehen von den Schäden sieht es auch nicht schön aus, wenn überall auf den Straßen und an den Stränden Zigarettenfilter liegen.
Die Tabakindustrie kommt nicht für die Reinigung der Kippenreste auf, sondern in der Regel der Steuerzahler. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 186 Millionen Euro, wie die WHO in ihrem Bericht zusammengefasst hat. Deshalb fordert die Organisation die Bundesländer und Gemeinden auf, die Tabaksindustrie dafür stärker in die Pflicht zu nehmen.

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Donato Muro

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